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Mit dem Motorrad die Weiten des Westens der USA "erfahren" 

"On the Road"

Eine Reise durch den Westen der USA

Es begann wie vieles im Leben, spontan. An einem kalten Winterabend traf ich meinen Studienkollegen Franjo auf ein Bier in einer Kneipe. Schnell ist unser beider Hobby, das Motorrad, das Gesprächsthema des Abends und plötzlich die Frage "Hast Du auch schon einmal davon geträumt durch den Westen der USA zu fahren ?" Wir trinken noch ein Bier und die Idee, wird als abgemacht besiegelt.  Es folgen Wochen der Vorbereitung. Sollen wir unsere Motorräder mit herübernehmen und wenn Ja, mit dem Schiff oder Flugzeug. Was ist mit der Versicherung, wäre es nicht einfacher und kostengünstiger ein Motorrad zu mieten. Fragen über Fragen. Jeder von uns hat andere Vorstellungen. Da ich den Südwesten schon kenne, möchte ich nach Nordkalifornien und den Highway No 1 erleben. Franjo möchte den Grand Canyon, das Monument Valley und Las Vegas sowie die Route 66 'erfahren'. "Was tun?" Wir finden die Lösung und verlängern den Urlaub einfach auf ganze 6 Wochen und beide Wünsche werden zur vorgegebenen Tour. Nach vielen Telefonaten und Schreiben liegt uns ein Angebot für die Leihmotorräder vor, und so steht die Überführung unserer eigenen Motorräder nicht mehr zur Diskussion.  

Los Angeles, nach Flug und Hotelübernachtung geht es per Taxi zum Motorradverleih. Wir sind pünktlich, doch es ist alles verschlossen und niemand erwartet uns. Da biegt eine große Harley Davidson blubbernd von der Straße in den Hof ein und ein vollbärtiger 1,90m Mann fragt uns, während er den Seitenständer lässig ausklappt: 

" High, I'm Wayne, are you the guys from Germany?" 

Ja, unser Verleiher ist ein Harley Davidson Fahrer, mit Kutte und Tattoo, wie aus einem EasyRider-Film und dann noch der Name, Murphy. - Schlägt jetzt 'Murphys Gesetz' zu? - Unser Verleiher ist zwar lässig, doch er versteht sein Verleihgeschäft, und nach einigen Unterschriften unter die Versicherungspapiere etc. zurren wir unser Gepäck auf unseren Yamaha's fest und geben Gas. 

Die Freiheit beginnt: "On the Road again" 

Entlang den San Bernardino Mountains führt uns der Highway nach Palm Springs, unserem ersten Etappenziel. Bei Palm Spring sehen wir den riesigen Windenergie Park mit seinen Hunderten, sich stetig im Wüstenwind drehenden, Windrädern. Dann das 'Joshua Tree National Monument' mit seinen 10 bis 12m hohen Yukka-Bäumen und Cholla-Kakteen in mitten einzigartiger Felsen wie den Jumbo Rocks. click it bigger

Weiter geht es durch die Mojave-Wüste, vereinzelt zeigen Reihen von Briefkästen an, dass hier Leute hinter dem Horizont wohnen. Die Straße führt durch kleine Ortschaften, welche die Zahl ihrer Einwohner auf dem Ortsschild angeben. [ Essex, 100Einwohner ] und bei Kingsman erreichen wir den National Historic Highway "Route 66 ", die Straße unserer Sehnsucht, eine Teilstrecke der legendären 3600km langen Straße von Chicago nach Kalifornien. Wir hören und fühlen den Song von Nat King Cole, der singt 

"Get your kicks on the Route 66 . . . . " 

Auf gerader Straße, vorbei an verlassenen Tankstellen und Ortschaften führt uns die Straße der Erinnerung nach Seligman. In Seligman steht vor einem Eiscafe ein alter Chevrolet, Baujahr 1936. Wir halten für ein Softeis, zum Abschied lässt der Besitzer, Mr. Deligadillo, dann die Fanfare des alten Chevys ertönen.  

click it biggerWir erreichen den Grand Canyon National Park, ein Canyonpanorama mit Einblick in nahezu zwei Milliarden Jahre Erdgeschichte zeigt sich uns im Abendlicht. Unter einer Ponderosa-Kiefer schlagen wir erstmals unser Zelt auf. 

Lagerfeuer sind auf dem Camper-Ground verboten. Als die Dämmerung anbricht erscheint eine Rangerin "Carol" und lädt alle Camper zu einem gemeinsamen Lagerfeuer ein. Eine Stunde später sitzen dann 14 Camper um das Feuer und Carol erzählt die Geschichte des Grand Canyons. Von John Wessley Powell, der als einarmiger Kriegsveteran des amerikanischen Bürgerkrieges, im Jahr 1869 die Leistung vollbrachte, den bis dahin unbekannten Colorado River zu erforschen. Zurück im Zelt, hören wir das heulen der Coyoten und schlafen ein. 

Am nächsten Morgen geht es weiter, viele der Straßenschilder stehen zerlöchert und verbeult am Rand der sich scheinbar endlos ziehenden Straße. Die "Straßen-Cowboys" benutzen sie als "Zielscheiben" zur Kurzweil und Unterbrechung in der Eintönigkeit.  

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Nach 180km verkündet ein Schild "Monument Valley - 8th Wonder of the World -". Wir kennen diesen Steingarten im Navajoland aus den Büchern und als Filmkulisse unzähliger Westernfilme, eine durch Erosion geformte Landschaft mit Plateau-Bergen und vom Wind geschliffenen Felsnadeln, die sich wie Schiffe in der Wüste erheben. Heute steht dieses Naturwunder unter der Verwaltung der Navajo-Indianer. Wer die unendliche Weite, die einzigartigen Formen und Farben der Felsmonumente erlebt hat, wird diese Landschaft nie vergessen.

Auf der roten Straße, die durch den Zion National Park führt, fahren wir durch mehrere Tunnels und über traumhafte Serpentinen. Immer entlang an den rötlichen Sandsteinhängen, dieser Canyon- und Berglandschaft, bis wir den Highway nach Las Vegas erreichen. Las Vegas, erwartet uns mit einer Armee von "einarmigen Banditen" in den glitzernden Casinos und Hotels. Doch diese Stadt ist für uns nur ein "Stop Over" auf dem Weg zur kleinen Ortschaft Shoshone. Hier übernachten wir und starten eine Stunde vor Sonnenaufgang, um mit den ersten Sonnenstrahlen den Parkeingang zum Death Valley zu erreichen.  Morgens präsentiert sich das "Tal des Todes" besonders kontrastreich und am Zarbriskie Point strahlen die Felsen im goldgelben Licht. Der Badwater Point liegt 86m unter dem Meer und ist dadurch der heißeste und der tiefste Punkt Nordamerikas. Dem "Death Valley Survial Hint" folgend, [ Bleibe nie zulange an einen Punkt es sei denn du findest Schatten und Trinkwasser ] verlassen wir dann Badwater und erreichen zum "High Noon" die nordwestlichen Dünen des Wüstenkessels. Der heiße Asphalt, die Motorhitze von unten und die Junisonne von oben, hier werden wir zum erstenmal unseren Vorsatz "nie ohne Helm" untreu und fahren die weitere Strecke nur mit einer BaseCap.  

Die nächste Etappe entlang der Sierra-Nevada über den Highway 395 empfinden wir, nach der Hitze der Wüste, als besonders erholungsreich. Von Lone Pine fahren wir über Pässe und Bergstraßen, zur Linken immer die hohen Granitberge, an vereinzelten blaugrünen Seen vorbei. Dann stehen wir am langsam austrocknenden Mono-Lake mit seinen bizarren Tuffsteingebilden und auch der Abstecher zur Geisterstadt Bodie sind unvergessene Eindrücke, bis wir dann am Abend Reno erreichen. Hier erleben wir dann das jährliche "Reno Rodeo", eine typische amerikanische Parade mit abendlichem Rodeowettbewerb und die besten US-Rodeoreiter im Wettkampf um den Titel des Champions. So sind z. B.  8 Sek. auf einem wilden, ungestümen Mustang oder Bullen, mit einer guten Haltungsnote, zu überstehen.

 Nach diesem Wochenende geht es zurück ins Herz der Sierra Nevada, in den Yosemite National Park. Wir erreichen diesen Park über den 3031m hohen Tioga Pass und finden bei El Portal, am westlichen Parkrand, ein Zimmer mit Blick auf den aus dem Yosemite Valley kommenden Merced River. Am folgenden Tag erkunden wir die Straßen des National Parks und fahren über kleine Bergstraßen bis zum Glacier Point (975m hoch), dem Aussichtspunkt hoch über dem Tal. Wir werden belohnt mit einem einmaligen Blick auf das Valley mit seinen Wasserfällen und dem Half Dome, einen in der Eiszeit halb weg geschliffenen Granitberg. Unten im Tal befinden sich die 100m hohen bis zu 3000 Jahre alten Mammutbäume, die Sequoias.  Über Sacramento, dem Sitz der kalifornischen Regierung, erreichen wir das Napa Valley. Die Rebstöcke auf den Feldern sind voller Weinreben aus denen dann der berühmte kalifornische Wein gekeltert wird. Wir kehren beim Weingut "Conn Creek", einem der über 150 Weingüter des Tales, zu einer Weinprobe ein. Die Zinfandel Lane eine Straße die zum Weingut führt, ist nach einer der hier typischen Rebsorten benannt. So mundet uns dann auch der Zinfandel Wein besonders gut.

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Bei Fort Bragg erreichen wir den nördlichsten Punkt unserer Tour. Von hieraus geht es über den Highway No 1 zurück zu unserem Ausgangspunkt L.A. Vom Pazifischen Ozean her ziehen die tiefhängenden, regenbeladenden Wolken gegen die Küste, es regnet oder wenn es trocken wird herrscht dichter Nebel, die kurvige Straße verlangt deshalb all unsere Aufmerksamkeit. Als wir den malerischen Küstenort Mendocino, dem Zufluchtsort vieler Aussteiger und Künstler erreichen, begrüßt uns wieder die Sonne. Die Stadt lebt vom Flair der späten 60er Jahre, mit Schindel gedeckte, weiße Holzhäuser mit ihren verwilderten Gärten und windschiefen Zäunen lassen uns die Regenschauer schnell vergessen.

San Francisco erreichen wir über die halb im Pasifiknebel verhüllte Golden Gate Bridge. Eine faszinierende Stadt mit der Cable-Car und Fisherman's Wharf. Wir bleiben für volle drei Tage.

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Von hieraus befahren wir dann das Sahnestück, des Highway No 1, von der Half Moon Bay über Monterey bis nach Big Sur. Traumhafte wechselnde Panoramen bieten sich uns nach jeder neuen Wegbiegung, entlang der wildzerklüfteten Steilküste. In Monterey besuchen wir das einzigartige Monterey-Bay-Aquarium, sehen die Seeottern im großen "Outdoor-Basin" und die See-Elefanten auf den Felsen vor der Küste. Der Leuchtturm von Big Sur markiert das Ende des schönsten Abschnitts der West Coast. 24 Std. später erreichen wir wieder die "Stadt der Engel" Los Angeles.

 

5000 Meilen zeigt mein Tacho und die Reifen haben nur noch ein minimales Profil. So liefern wir die Motorräder wieder bei Wayne ab.  

Ein amerikanischer Traum wurde wahr.