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Die "Stedinger Compagnie" Aktien Gesellschaft 
zur Ausrüstung eines Schiffes auf Robbenschlag 
und zu zwischenlaufenden Frachten, mit dem Sitz in Berne

Vorwort:

Der Walfang (Grindwal bzw. Pilotwal) begann  bereits im 13.Jhd. und zwar durch die Basken in der Biskaya. Als dann die holländischen Seefahrer "Barendz", "De Riip" und "Heemskerk"  1596/97 nach einer Nordmeerfahrt von den Robben, Walen und Eisbären berichteten und dies dann 1610 durch den englischen Kapitän "J. Poole" bestätigt wurde, begann 1612 der kommerzielle Wal und Robbenschlag im Nordmeer. 
Bis 1642 hatte die niederländische Gesellschaft, die "Noorschen Maatschapij" bzw. die "Noordische Compagnie" das Monopol des Walfangs um Spitzbergen, doch dann begannen auch deutsche Reeder Schiffe auf Grönlandfahrt zu schicken. So entsandte Emden im Jahre 1643 zwei Fangschiffe und im Jahr 1644 folgte dann Hamburg und begann eine eigene Walfangflotte aufzubauen.  
Anm.: 
Auch wenn bei diese Fahrten ins Nordmeer "Grönlandfahrten" genannt wurden, so war das geographische  Jagdgebiet 
"Spitzbergen  / Jan Mayen und die Bäreninsel".
Denn in den ersten Jahren hielt man Spitzbergen für die Ostküste von Grönland. Aus diesen Irrtum entstand der Begriff  "Grönlandfahrten" und "Grönlandfahrer" wobei jedoch nur wenige Seeleute die Küste von Grönland je gesehen haben.  

Im Jahre 1674 folgten dann die Bremer, dort gründeten 31 Kaufleute die "Grönländischen Compagnie" und rüsteten 6 Schiffe zum Walfang aus. Die Besatzung dieser ersten Bremer Schiffe wurde jedoch überwiegend in Holland angeheuert.
Doch bei den späteren Schiffen kam eine bedeutende Anzahl der Besatzungen aus Vegesack und "umzu" und aus dem oldenburgischen Stedingen.  So lebten im Kirchspiel Altenesch um 1750 etwa 50% der Bevölkerung von der Seefahrt.

Während der ersten 40 Jahren des kommerziellen Walfangs erfolgte die Jagd in den Buchten von Spitzbergen. Dann war der Bestand um 1650 bereits so dezimiert, dass die Walfangschiffe ihre Jagd ins offene Eismeer verlegen mussten. Die höchsten Fangergebnisse wurden in den Jahren 1670 bis 1750 erzielt. Dann war der Bestand so dezimiert, dass man um 1750 zusätzlich zum Walfang zum kommerziellen Robbenschlag überging.
Anm.: 
Auf einem Walfangschiff arbeitete eine Besatzung von ca. 40-50 Mann. 
Die holländische Grönlandflotte  betrug  um 1700 ca. 250 Schiffe, die Hamburger Flotte hatten 54 Schiffe,
die Bremer 15 Schiffe und Emden 2 Schiffe. 
Damit benötigten allein diese Flotte ca. 15.000 Seeleute. 
Viele der Grönlandfahrer waren "Inselfriesen" aus Föhr, Röm, Amrum und den Halligen, sodass teilweise der größte Teil der männlichen Inselbevölkerung auf Walfängern zur See fuhr.

Im Jahre 1697 lagen in der Klockbay (Spitzbergen) 192 Schiffe vor Anker, der Fang wurde mit 1888 Fischen angegeben.

Nach den Napoleonischen Kriegen und den Kriegswirren  (1803-1815), setzte eine rasante Entwicklung ein, in der die gesamte Schifffahrt unter der Wirkung eines allgemeinen kommerziellen und industriellen Aufschwungs eine neue Blüte erlebte. Die Zahl der Schiffe nahm immer mehr zu und man ging schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dazu über, größere und leistungsfähigere Schiffe zu bauen und so wurden die ersten Barken in Dienst gestellt. Auch in der Wesermarsch gründeten sich Reedereien, die sich den Grönlandfahrten stellen wollten. Denn große Gewinne konnten beim Verkauf des Walrats (ein klares Öl bei einer Temperatur >33°C, unterhalb dieser Temperatur wird Walrat fest), des Ambras (Substanz für Parfüm) und der Barten erzielt werden. Ein einziger Grönlandwal konnte bis zu 11.900 Liter Öl und 680 kg Barten oder "Fischbein" liefern. Walöl war auch damals eine notwendige Substanz um Nitroglycerin herzustellen und damit war dieses Öl für die Regierungen ein strategisches Produkt zur Munitionsherstellung.
Der aus dem Walspeck gewonnene Tran diente damals als Brennstoff für Lampen und zur Herstellung von Seife.
Anm.: 
Barten sind die 3 bis 4m lange gefranste Hornplatten aus den Querfalten des Gaumendaches eines Bartenwals. Die Barten wurden als Korsettstangen, Peitschen, Uhrenfedern, Reifröcke, Fischangeln und Regenschirmrippen benutzt.
Nach der Erfindung der Stahlfeder am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Verwendung von Barten unnötig. 
Im Jahr 1859 sank der Preis des Walöls dramatisch, denn in Pennsylvania hatte man einen Ersatzstoff, das "Petroleum" entdeckt.

Im Jahre 1841 gründeten wohlhabende Bürger (u.a. Borgstede  und Schiff) in Elsfleth eine "Gesellschaft für Walfisch- und Robbenfang" und folgten damit dem Beispiel der bereits erfolgreichen bremischen Grönlandfischerei. 

Mit einem Aktienkapital von 12.000 Reichstalern [Rthl.] war die "Elsflether Compagnie“ in der Lage, bereits im Jahr 1842 ein Schiff zu kaufen, für den Walfang auszurüsten und auf die erste Reise ins Eismeer zu schicken. Im Jahre 1843 besaß die Elsfleth Reederei J. Ahlers, Borgstede & Cons die Bark "Elsfleth" gebaut 1826 und setzte diese zur  Grönlandfahrt ein. Die "Elsflether Compagnie“, setzte  neben der bereits genannten Bark "Elsfleth" noch die Briggen "Nordstern" (Kapt. J. Dittmer), "Alliance" und "Patriot" ein. (Als dann im Jahre 1864 nur noch mit einem Schiff auf Fangfahrt ging, musste die "Elsflether Compagnie“ ihren Betrieb einstellen.) Die "Elsflether Compagnie“ beendete die Unternehmung Ende 1846 nach erheblichen Verlusten.

In der südlichen Wesermarsch (Stedingen) regten diese Aktivitäten auch bei den Stedinger Bauern und Kaufleuten großes Interesse, warum sollten sie nicht wie ihre Nachbarn nördliche der Hunte ebenfalls ein solches Unternehmen wagen. So wurde im Jahr 1842 die "Stedinger Compagnie, Aktiengesellschaft zur Ausrüstung eines Schiffes auf Robbenschlag und zu zwischenlaufenden Frachten mit dem Sitz in Berne" gegründet. Liest man heute vom Aufstieg und den Niedergang dieses Berner Unternehmens in den Jahresberichte und Akten der "Stedinger Compagnie" (Nieders. Staatsarchiv zu Oldenburg) so beeindruckt der Weitblick der Gründer als auch das Vertrauen und der Wagemut der Aktionäre. Nachfolgend ein beeindruckendes Kapitel der Wirtschaftsgeschichte der Wesermarsch aus dem frühen 19. Jhd.



Lithographie von N. Currier, 1852

Berne im Jahre 1842:

Der weit über der oldenburgischen Wesermarsch hochangesehene und wirtschaftskundige Kaufmann und Sägewerksbesitzer Friedrich Christian von Buttel aus Dreisielen initialisiert die Gründung einer Stedinger-Reederei zum Robbenschlag.
Hierzu sprach er folgende Einladung aus:
„Es sollen alle finanzkräftigen Einwohner des Stedingerlandes am 21. Oktober 1842 um 16 Uhr im "Jacobsens Gasthof zu Berne" versammeln, um  über die Gründung einer Aktiengesellschaft zur Ausrüstung eines Schiffes auf Robbenschlag zu sprechen.“

An diesen Tag kamen aus allen Himmelsrichtungen die bäuerlichen und herrschaftlichen Kutschen angefahren. Sozusagen die gesamte Prominenz des Stedingerlandes gab sich in Berne ein Stelldichein, denn keiner der Geladenen wollte es sich entgehen lassen den Plan des Herrn von Buttel zu hören. Mit kaufmännischen Sachverstand und Einfühlungsvermögen erläuterte der Visionär F. C. von Buttel den Zuhörern, wie er und einige andere Interessenten sich die Beibringung des Kapitals, den Kauf und die Ausrüstung eines Schiffes und den Verkauf der erbeuteten Robben vorstellten. Besonders ausführlich verwies er die überdurchschnittliche Gewinnchancen. Die Darstellung fanden fast ungeteilte Zustimmung und auch die Furcht einiger Skeptiker vor möglichen Risiken war bald zerstreut. Deshalb wurde noch am gleichen Abend eine zweite Versammlung einberufen, auf der die Anwesenden ihre Namen und die Höhe ihres Anteils in eine Aktionärsliste eintragen konnten. Zuerst wollte man die neue Gesellschaft "Berner Compagnie" nennen, doch als man die abgeschlossene Zeichnungsliste auswertete fand man, dass das ganze Stedingerland gleichmäßig vertreten war. So entschied man um und nannte diese neue AG "Stedinger Compagnie". 

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten:
Kaufmann F. C. von Buttel in Dreisielen; Schiffskapitän Joh. Braue, Bettingbühren; Kaufmann Johann Heinrich Steenken, Weserdeich; Hausmann Ch. H. Bulling zu Schlüte; Kirchspielsvogt D. Thöle, Bardewisch; Ökonom Fr. G. Rowehl, Sannau; Handelsgehilfe W. D. Tergau, Dreisielen; Amtsassessor Lehmann, Berne; Amtseinnehmer Hoffmann; Amtsschreiber Heinecken; Rechnungssteller Addicks; Steuereinnehmer Pundt, Warfleth; Ökonom H. Sparke zu Huntebrück; Gastwirt Denker zu Huntebrück; Ökonom Gerdes zu Glüsing; Rechnungssteller Meyer zu Berne; Kaufmann Engels zu Berne; Steuereinnehmer Giese zu Hammelwarden; Rechnungsführer Kanzelmeyer zu Elsfleth; Kaufleute Pieper und Wessels (Firma) in Elsfleth; B. Diekmann in Warfleth; Firma Borgstede & Becker; Kaufmann H. O. Woebcken zu Esenshammersiel; Ökonom Ernst Stegens zu Schlüterburg und dessen Schwiegersohn Ökonom Bauer zu Kampe; Frau Ww. Bauer, daselbst; J.H. Ordemann, Landwirt zu Schlüte; und Kaufleute (Firma) Künne & Müller zu Brake. 

Zwei Monate später:

Am 25.12.1842 (es ist der 1. Weihnachtstag) findet die erste Aktionärsversammlung statt. Herr von Buttel hatte in der Zwischenzeit sorgsam gearbeitet und die Pläne konkretisiert und die Statuten entworfen. Nach seinen Berechnungen sind mindestens 8.000 bis 10.000 Rthl. in Gold erforderlich, um in dieses Geschäft einsteigen zu können. 
Sein Vorschlag lautet: 
„Mindestens 100 Aktien zu je 100 Rthl. herauszugeben und an diese Ausgabe keine besonderen Bedingungen zu knüpfen. Es werden drei Direktoren berufen die mit der Leitung der Aktiengesellschaft beauftragt werden, ihnen zur Seite steht ein sechsköpfiger Ausschuss.“

Die Versammlung bestätigt seine Vorschläge und beauftragte ihn sowie Kapitän Johann Braue zu Bettingbühren und Reeders Berend Hinrich Steenken zu Weserdeich als Direktoren mit der Leitung der Gesellschaft. Innerhalb kürzester Zeit waren alle Aktien ausgegeben.

Zur großen Freude aller Aktionäre tritt auch Landesherr, Großherzog Paul Friedrich August von Oldenburg (Reg.Zt.: 1829 - 1853) der Compagnie bei. Er übernimmt zehn Aktien zu je 100 Rthl. 
Doch stellt er gegenüber der neuen Gesellschaft folgende Bedingung: 
"Obige Einzahlung ist indes nur unter der Bedingung geschehen, dass es der Großherzoglichen Regierung vorbehalten bleibt, ihre Interessen bei der Stedinger Compagnie durch irgendeinen Bevollmächtigten, er sei Mitglied der Gesellschaft oder nicht, wahrnehmen zu lassen."

Dass nun ein Nichtmitglied Beauftragter des Großherzogs sein sollte, war nun den Aktionären keineswegs recht. Doch fand man einen Kompromiss durch folgende Anlage zu den Statuten: 
„Die Compagnie wünscht, dass die Vollmacht zur Wahrnehmung großherzoglicher Interessen hinsichtlich der zehn Aktien in die Hände des Berner Amtmannes J.G. Amann übertragen wird, mit der Bitte jedoch, dass nicht die amtliche Autorität, sondern einzig und allein die moralische Persönlichkeit desselben dabei in Anspruch genommen werden mag.“

Schon im Frühjahr 1843 sollte das erste Schiff auslaufen. Nun galt es den Ankauf eines Schiffes, mit der zusätzlichen Ausrüstung von Schaluppen und mit allem für den Robbenfang erforderlichen Gerät zu organisieren. Des weiteren die Bemannung zu stellen, also erfahrene Männer und einen geeigneten Kommandeur anzuheuern, als auch den Abschluss der Versicherung zu bewerkstelligen. Da der Robbebschlag in den Sommermonaten stattfand, sollte das Schiff in den Wintermonaten "zwischenlaufende Frachten" befördern und zusätzlich Geld in die Kasse bringen.

Kapitän Johann Braue übernahm den Kauf eines Schiffes. Er entschied sich für die Galiot "Pauline", welches bisher als Küstenschiff diente, des Reeders und zweiten Direktors der "Stedinger Compagnie" Behrend Hinrich Steenken. 

"Pauline" eine im 1838 gebaute Galiot mit einer Tragfähigkeit von 67 Schiffsladungen. 
Die Galiot PAULINE wurde auf der Werft (gegründet 1838  -  geschlossen 1840) von B. H. Steenken und Partner F. C. von Buttel gebaut. 
Die Werft lag auf dem Gelände der Holzhandlung von Buttels in Dreisielen, an der heute stillgelegten Schleife der Hunte.
Es war das erste Schiff dieser kleinen Werft, welches dort auf Kiel gelegt und vom Stapel lief. 
(Gebaut vom Motzener Schiffsbaumeister Hinrich Oltmann. )

PAULINE    Länge ca. 33m,  Breite ca. 7m,  Nutzlast 104t

Für ihren Einsatz auf Robbenschlag mussten noch einige Umbauten vorgenommen werden. Damit wurde aus der "Pauline". zwar noch kein richtiger "Waler", denn vom Walfang war bisher auch noch nicht die Rede gewesen, doch zum Robenschlag eignete sich der vorhandene Schiffsraum der Galiot. Außerdem war ein solches Schiff wenn es denn auch nur annähernd mit Robben gefüllt würde auf jeden Fall rentabler als ein großes Schiff mit voller Besatzung. Die Pauline  wurde als Schiff der Reederei Behrend Hinrich  Steenken & Christian Heinrich von Buttel [Sohn des F. C. von Buttel], Weserdeich geführt.

Galiot "Pauline"

Galiot-Pauline (Holzmodel)

 
Seeschiffs-Typ: Galiot

 

 

 

 

 


Die Galiot ist als Anderthalbmaster mit hohem Besanmast mit Gaffelsegeln und meist Rahtoppsegeln getakelt; 
es werden eine Stagfock und an Bugspriet und Klüverbaum mehrere Klüver gefahren.

Ursprung: niederländisches Frachtschiff im 17. Jh. als Nord- und Küstenfahrzeug
völliger Rumpf, 18-30 m lang
Großmast mit Gaffelsegel und 1-3 Rahsegeln
kleinerer Besanmast mit Gaffelsegel
Stagfock und am Bugspriet mehrere Klüver
Einsatz als:
Frachtschiff - Atlantikfahrten
Fischereifahrzeug
Eismeerfahrten - Wal- und Robbenfang

Die 1. Matrosenrolle der "Pauline", geführt von dem Commandeur Jacob Stamer, liegt noch heute vor. Sie enthält die Namen von 32 Seeleuten und ihre Aufgaben, z. B. Steuermann, Harpunier, Speckschneider, Matrose, Bootsmann, Koch usw., ihre Heimatadressen und die Unterschriften, mit denen sie den Empfang des Handgeldes bestätigten und die Bedingungen der Reederei anerkannten. 

Einige dieser Bedingungen lauten:
„Ein jeder muss zur Reise völlig ausgerüstet, mit Kleidern und dgl. hinlänglich versehen sein. Niemand darf ohne Bewilligung des Kommandeurs sich von Bord entfernen; viel weniger eine Chaloupe [Schaluppe] vom Schiff nehmen und damit an Land fahren. Ein jeder muss auf sein Quartier achten, mit der Chaloupe auf Brandwache liegen, und darf sich nicht von seinen Kleidern entlösen, damit jeder einzelne, wenn der Kommandeur “Fall“ beordert, stets bereit ist und der Fang nicht gehindert werde. Zu den Andachtsübungen hat sich ein jeder einzufinden, überhaupt hat sich jeder einzelne der Frömmigkeit zu befleißigen, um des Segens des Allmächtigen würdig zu werden. Wer sich den Anordnungen des Kommandeurs widersetzt, verliert nicht allein seinen vollen Verdienst, sondern wird auch, dem Befinden nach, an Leib und Leben einer Bestrafung unterworfen werden. Das Mitnehmen und Übernehmen von Spirituosen ist strengstens verboten."

Seekiste im Schloß Schönebeck

über das Leben und die Arbeit an Bord eines Grönlandfahrers

aus dem Jahr 1826-27, zwei Grönlandfahrer aus Altenesch müssen in Grönland überwintern

 

Walfangschaluppe, Modell im Schloß Schönebeck

 

Anfang März 1843:

Die neuen Fischereigerätschaften, Salz, Steinkohle, Proviant und Wasservorräte sind verstaut und am 5. März 1843 ist der große Tag des ersten Auslaufens gekommen. Commandeur Jacob Stamer lässt die Segel setzen und sticht mit einer Bestatzung von 32Mann in See, dem Eismeer entgegen.
Das Aktienkapital der Stedinger Compagnie betrug zur Zeit der Abfahrt der "Pauline" ganze 9.000 Rthl. 

Nun begann die lange Zeit des Wartens und Bangen der das Warten der Aktionäre. Wie ein bremisches Sprichwort sagt:

"Koopmanns Good is Ebbe und Floot"
oder 
entsprechend dem Spruch von 1899 des Bremer Bürgermeisters Otto Gildemeisters [1823-1902]:
"Buten und binnen. Wägen und winnen" 

In den Monaten während die "Pauline" am Rande des Packeises zwischen Spitzbergen und Grönland kreuzt, blieb F.C. von Buttel nicht untätig. Es galt einen Standort und entsprechende Gebäude für eine Tranbrennerei zu finden. Da kam der Gründungsaktionär J. H. Ordemann auf ihn zu und bot seine am Schlüterdeich liegende Köterei nebst daneben stehendes Packhaus zum Verkauf an. Der Vorschlag, die an der Hunte gelegene Besitzung mit allem Drum und Dran zu kaufen, fand einmütige Zustimmung der Aktionäre, zumal man an dieser Stelle außerhalb des Deiches einen ausgezeichneten Löschplatz anlegen konnte. 
(Anm.: Vor der Huntebegradigung und dem Sperrwerk war dies ein ausgezeichneter Standort.)

Auch wenn dieser Standort am Schlüterdeich nicht weit entfernten vom Wohnhaus des F.C. von Buttel in Dreisielen war und er so von den unangenehmen Gerüchen nicht unbehelligt bleiben würde, befürwortete Direktor von Buttel diesen Standort. 

oder man kann auch sagen:
„Geld stinkt nicht“ 
 
Modell einer Tranbrennerei um 1750

Anlieferung der Fässer, voll mit Walspeck (oben rechts)

               Im Kessel werden die Speckstücke gekocht
              über eine Rinne in 3 Bottiche mit kalten Wasser geleitet

              Die Bottiche haben verschiedene Höhen, 
              so dass der Tran in drei Stufen abkühlt und geklärt wird.

(links)
Der Tran wurde dann in Fässer gefüllt und konnte verkauft werden.

 

Der Kessel wurde auch mit ausgekochten Speckstücken beheizt, 
dies führte zu starker Qualm und Geruchsbelästigung.

Modell im Heimatmuseum Schloß Schönebeck

 

Der Sommer 1843 neigt sich den Ende:

Mit großer Erwartungshaltung warten die Aktionäre die Rückkehr der "Pauline" die natürlich eine reichhaltige Beute und damit eine hohe Dividende erhoffen. Doch der Ertrag ist geringer als erwartet, nur 2.225 Robben hatte die "Pauline" an Bord. Dies ergab letztendlich rund 32,5 Tonnen Tran. Da derzeit eine Tonne Tran mit ca. 178 Rthl. gehandelt wurde, betrug der Erlös 5.807 Rthl. Dazu kamen 404 Rthl. aus dem Verkauf der Robbenfelle. Somit betrug der Überschuss 1.687 Rthl. = 18,75 Prozent des Aktienkapitals. Als Dividende wurden aber nur 5 Prozent ausgezahlt.
Anm.: Im allgemeinen wurde die Sattelrobbe (Phoca Groenlandica) gejagt. Diese Robbenart erhielt ihren Namen aufgrund der typischen Fellzeichnung.  Sattelrobben werden knappe 2 m lang und bis zu 130 kg schwer.

Quelle Wikiedia

Es wird expandiert:

Angesichts dieser ersten Robbebschlag-Expedition und ihres bescheidenen Erfolges erläutert der Visionär F.C. von Buttel einen weiteren kühnen Plan. Neben den Robbenschlag soll nun auch den Walfang zur Aufgabe der "Stedinger Compagnie" gemacht werden und dies mit einem zweiten und größeren Schiff. 
"Geht das eine nicht, so bietet das andere vielleicht einen Ausgleich."
Es gelingt ihn die Aktionäre für seinen Plan zu gewinnen.
(Anm.: Der Großherzog war aber erst nach mehrmaliger Bitte zu bewegen, seine Zustimmung zum Walfang zu geben).
Es folgt eine Kapitalerhöhung auf 27.500 Rthl., welche den Kauf eines zweites Schiff ermöglichte.
Grönlandwal, Unterordnung: Balaena Mysticeti - Bartenwal

Der Grönlandwal hält sich im Sommer in Rinnen zwischen Eisschollen und schmelzendem Eis auf. Die breiten Rücken der Grönlandwale haben keine Rückenfinne, wodurch sie einfacher unter den Eisschollen schwimmen können. Grönlandwale können zum Atmen durch 30-60 cm dickes Eis durchbrechen. Erwachsene Männchen erreichen eine Länge von 15 m und können mehr als 54 Tonnen wiegen. Erwachsene Weibchen sind etwas größer als die Männchen und können eine maximale Länge von 18 m erreichen.
Sein kräftiger Körper wird von einer bis zu 60 cm dicken Specklage vor dem eiskalten Wasser geschützt. Sein Kopf ist gewaltig und nimmt fast ein Drittel der Gesamtlänge des Körpers ein. Sein Maul kann 4,9 m lang, 3,7 m hoch und 2,4 m breit sein. 

Das zweite Schiff:

Die fast 10jährige Bremer Bark "Julius und Eduard", (Baujahr 26.03.1834 in Burg bei Bremen, [Baunummer 47 der Werft Bosse, Burg 1780-1870]) mit einen Tragfähigkeit von 168 Schiffslasten (ca. 340 Tonnen) wird vom Reeder F. L. Quentell erworben. 
 

"1841 "Julius und Eduard" im Verdacht des Sklavenhandel


Zu Ehren des Landesherren, Großherzog Paul Friedrich August von Oldenburg wird die Bark auf den Namen "August" umgetauft.

 
Bark "August" unter oldenburgischer Flagge

Bark "August"  (Holzmodel)

 

 
Ein Diorama im Heimatmuseum 
Schloß Schönebeck , zeigt
ein 50cm langes Modell der August. 

Datiert:1847

 

                  Eine 80cm große Modellkopie, 
des Schiffsbauer Sonarson aus Vegesack, 
angefertigt um 1920. 

1958 der Warflether Kirche 
von Dr. med. Scheringer geschenkt

August, Modell in der Warflether Kirche

 


Als Commandeur dieser Bark heuert Direktor F. C. von Buttel den Kapitän Heinrich von Buttel an.
(evtl. verwandtschaftliche Beziehungen sind mir nicht bekannt).
 
Seeschiffs-Typ: Bark 

 

 

Eine Bark hat immer drei Masten; 
darum ist die Bezeichnung "Dreimastbark" unsinnig und falsch !

Hat eine Bark aber mehr als drei Masten dann bezeichnet man diese entsprechend als  Viermast – bzw. Fünfmastbark. 

Die Masten heißen Fock-, Groß- und Besanmast. 
Die ersten beiden Masten sind voll Rahgetakelt, 
am Besanmast werden ausschließlich Schratsegel, 
in der Regel Gaffelsegel und Gaffeltoppsegel gefahren.

 

Das zweite Jahr:

Im Winter / Frühjahr erfolgte der Umbau und die Aufrüstung der Bark "August" zum ’Waler’. In den frühen Morgenstunden des 24. März 1844 segelte die „August“ mit 50 Mann Besatzung weserabwärts, dem Eismeer entgegen. 
Gegen Ende des Sommers macht sich die Anspannung bei den Aktionären breit. „Gibt es die erhoffte große Beute?“
Als dann endlich die Bark "August" und die Galiot "Pauline" die Hunte hinaufsegeln war die Enttäuschung groß, der Fang ist bescheiden. Die Bark "August" hatte nur 300 Robben und einen winzigen Wal an Bord und die "Pauline" auch nur 1000 Robben.
Direktor F. C. von Buttel muss einen Verlust von 1652 Rthl. ausweisen.

Im dritten Jahr kommt endlich der Erfolg:

Das Jahr 1845 versöhnte dann die Aktionäre, denn das Fangergebnis der beiden Fangschiffe lautete: 3.743 Robben, drei Wale und einen Eisbären. Die Tranbrennerei in Schlüterdeich produziert daraus 79 Tonnen Tran, die alleine 12.890 Rthl. erbrachten. Dazu konnten aus dem Erlös für die Robbenfelle noch 1.545 Rthl. und aus dem Verkauf von 3800 Pfund Barten konnten noch 2.411 Rthl. gewonnen werden. Dies ergab ein Gesamterlös von 16.846 Rthl. und der ausgewiesene Überschuss betrug 4.112 Taler. Diesmal konnten 5 Prozent Dividende ausgezahlt werden und die Aktionäre waren wesentlich zufriedener als in den beiden ersten Jahren.

Das neue Steuergesetz:

F.C. von Buttel gelingt es noch Anfang 1845 eine Zollerleichterung, die er schon lange für seine Sägerei in Anspruch genommen hatte, nun auch für die Stedinger Compagnie durchzusetzen. Diese Steuererleichterung wirkte sich vor allem für die nordwestdeutschen Gerbereien sehr vorteilhaft aus. Der Berner Amtmann "Amann" unterstützte seinen an die Kammer gerichteten Antrag mit folgender Stellungnahme: 
"Der ganze Geldumsatz der Stedinger Compagnie kommt direkt oder indirekt dem Lande zugute, mit vorläufiger Ausnahme nur derjenigen Gelder, welche jetzt aus Mangel an eigener in dieser Unternehmung nicht genügsam bekannten Mannschaft, noch an Fremde gezahlt werden müssen, deren Zahl aber immer kleiner wird, indem die hiesige junge Mannschaft nach und nach genügend ausgebildet sein wird, um auf solchen Schiffen nicht nur zu dienen, sondern dieselben auch führen und kommandieren zu können. Von besonders guten Folgen ist es jetzt schon namentlich, dass die sogenannte unbefahrene Mannschaft aus den Eingesessenen des hiesigen Kirchspiels und der benachbarten Ämter Ganderkesee und Delmenhorst genommen werden kann."

Am 22.03.1845 verlässt die Landesregierung zu Oldenburg ein neues Steuergesetz mit folgendem Wortlaut:
"Es sollen die von hiesigen Schiffen einzubringenden Narwal-, Seehunds- und Eisbärenfelle, welche bei Gelegenheit des Walfischfangs von ihnen selbst gefangen sind, ebenso wie der eingebrachte Fischspeck und die Walfischbarten nicht allein von der Eingangsabgabe freigelassen werden, sondern sie dürfen auch auf Passagierschein steuerfrei wieder ins Ausland hinausgehen."

Wieder folgt ein schweres Jahr:

Die Fangsaison 1846 stand unter keinem glücklichen Stern und die beiden Fangschiffen erjagen keinen einzigen Wal. Zusammen werden nur rund 3.300 Robben und sieben Bären am Schlüterdeich angelandet. Daraus konnten nur 35 Tonnen Tran gewonnen werden. Direktor F.C. von Buttel muss einen Verlust von 4.600 Rthl. ausweisen. Die Aktionäre sind geschockt und einige diskutieren schon die Auflösung der Compagnie. Doch letztendlich gelingt es eine Fortsetzung der Unternehmen zu beschließen. Damit die Schiffe 1847 überhaupt noch einmal hinausfahren könnten, wird für jede Aktie eine Einzahlung von 15 Rthl. ausgeschrieben.  [1846 übernahm Kommandeur J.F. Sandersfeld das Kommando auf der Pauline.]

Was war 1846 passiert?

Beide Schiffe hatten schon nach kurzer Zeit im Eismeer (April) eine beträchtliche Beute gemacht, doch gerieten sie in einem orkanartigen Sturm, in dem ein Teil des Fanges im Werte von etwa 6000 Rthl. über Bord ging. 

Das Schliffslogbuch der Bark "August", aus dem Jahre 1846 , gibt einen Eindruck über die Fahrt wieder: 

Die Hoffnung auf die nächste Expedition:

Nach dem kümmerlichen Ergebnis der Fangsaison 1846 wurden nun alle Hoffnungen auf die Fangsaison 1847 gesetzt. Als die Fangschiffe dann im Sommer 1847 ungewöhnlich früh von ihrer Reise nach Schlüterdeich zurückkehrten, war dies ein gutes Zeichen.
Die zum Anlegeplatz herbeigeeilt Aktionäre trauten ihren Augen nicht, die Stauräume waren bis obenhin gefüllt. Aus 10.261 Robben konnten 1437 Tonnen Tran gewonnen werden. Obwohl der Preis für Tran in diesem Jahr stark gesunken war, erzielte Direktor F.C. von Buttel einen Erlös von 23.876 Rthl. und sein im letzten Jahr leicht gelittenes Ansehen stieg wieder, denn den Aktionären floss eine Dividende von satten 45 Prozent zu. 

Die ersten zwischenlaufenden Frachtfahrten:

Durch die frühe Rückkehr konnten nun die beiden Schiffe, zum erstenmal, auch für "zwischenlaufende Frachtfahrten" einsetzen werden, sowie die Statuten der Gesellschaft es ausdrücklich vorgesehen hatten.

Mit zwei Reisen nach England erwirtschaftete allein die kleine Galiot "Pauline" einen Reinertrag von 645 Rthl.

Die Bark "August" wurde innerhalb kürzester Zeit und auf einfachster Weise in ein Passagierschiff bzw. Auswandererschiff umgewandelt.
Voll besetzt mit 170 Auswanderern setzte die Bark am 15.Juni 1847 Segel, mit den Zielhafen Quebec in Kanada.
Die Tageszeitung "Quebec Morning Chronical" meldete die Ankunft der Bark "August" aus Bremen unter Kapitän v. Buttel am Mittwoch den  11. August 1847.

Der fünfte Geschäftsjahrsbericht der Stedinger Compagnie berichtet:
Für das Schiff August, wofür wir eine Verfrachtung mit Auswanderern nach Quebec zu 2.750 rt in Golde brutto abgeschlossen hatten, war eine gewünschte Rückbefrachtung gleichzeitig nicht zu erlangen. Wir mussten uns deshalb schon der Aussicht überlassen, dass es dem Capitain mutmaßlich gelingen werde, in Quebec selbst oder sonst vielleicht aus einem anderen Hafen Nordamerikas eine paßliche Rückverfrachtung abzuschließen, wozu derselbe mit zweckdienlichen Instruktionen versehen wurde. Leider konnte diese Aussicht jedoch nicht in Erfüllung gehen, denn bei und nach seiner glücklichen Ankunft in Quebec war der Mehlhandel auf England gänzlich ins Stocken geraten. Unter diesen Umständen suchte der Capitain einen sich in Quebec gleichzeitig aufhaltenden Agenten eines Bremer Auswanderungs-Comptoirs, Herrn M. zu veranlassen, sein Schiff "August" mit Holz zurück zu befrachten, der auch darauf einging, - jedoch mit der ausdrücklichen Bedingung, dass er, der Capitain, daran für halbe Rechnung teilnehmen und bei der Ankunft auf der Weser dann auch für den Verkauf bestens mitsorgen solle; in welchem Falle er gegen dort übliche Commissionsvergütung dann auch den ganzen Betrag der Ladung und Kosten vorschussweise entrichten wolle. Der Capitain nahm dieses an, übertrug jedoch, wiewohl er unsere Casse dafür nicht in Anspruch genommen, das von ihm übernommene, gewinnbringende Interesse bei seiner Zurückkunft sofort an unsere Compagnie; und bei einem sehr günstigen, öffentlichen Verkauf in Brake 

ist dadurch aus der Frachtfahrt des August ein reiner Gewinn von 2.584 Rthl in Golde für unsere Gesellschaft erwachsen, - anstatt bei einer Rückkehr in Ballast fast die ganze Hinfracht in Unkosten aufgegangen sein würde. Wir haben uns veranlasst gefunden, dieses Sachverhältnis besonders deshalb so ausführlich vorzutragen, weil es dem Herrn L. in Bremen gefallen hat, dasselbe in No. 11 des “Beobachters“ als ein begangenes despotisches Vergehen darzustellen, um dadurch, wie er sich auszudrücken beliebte, den Interessenten die Augen zu öffnen, und die Direktion, vornehmlich aber den buchführenden Direktor v. B. förmlich in Anklagestand zu versetzen."

 

So gab es einen Frachtüberschuss von 1.938 Rthl und einen Gewinnanteil von 645 Rthl an der Holzladung und der Überschuss im Jahre 1847 betrug 15.285 Rthl.

Das Jahr 1848:

Es ist das Jahr der Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt a. M. 
Der dänische König Friedrich VII. von Dänemark fühlt sich durch die vermeintlichen Expansionsgelüsten der Deutschen provoziert. 
So verlangt er die Einverleibung Schleswigs an Dänemark. Die dänische Truppen besetzten ganz Schleswig, und damit wurde aus einen anfänglichen Streit ein Krieg. Nun blockierten Dänische Kriegsschiffe die gesamte deutsche Nordseeküste und die norddeutschen Seeschifffahrt kommt zum erliegen. 

Da die Galiot "Pauline" bereits sehr früh ( im Februar) ins Eismeer ausgelaufen ist., hatten der Commandeur und Mannschaft keine Informationen über die heimatlichen Vorgänge. Nichts wissend von der Blockade, segelte die "Pauline" am 16. Juli noch unbemerkt in die Weser und kam zum Erstaunen aller Betroffenen unbehelligt in Stedingen an. 
Commandeur Heinrich von Buttel auf der Bark "August" erhält durch einen englischen Walfänger-Commandeur Kenntnis von der dänischen Seeblockade. So läuft er erst den sicheren Hafen “Berwick“ auf den Shetlandinseln an, um dort auf günstigere Zeiten zu warten. Nach dem Waffenstillstand von Malmö ist dann auch der achtwöchentliche Zwangsaufenthalt beendet und man kann endlich nach Stedingen zurückkehren.

Der Gewinn, den ein Wal und 7.605 Robben einbrachten, betrug fast 20.000 Rthl und an die Aktionäre konnte eine Dividende von 12,5 Prozent ausgezahlt werden.

Das Jahr 1849:

Da die Schleswig-Holsteiner trotz des Waffenstillstandes weiterkämpften drohten die Dänen daraufhin die Blockade fortzusetzen. Beim Auslaufen im Frühjahr 1849 wurde den Commandeuren Jacob Stamer und Heinrich von Buttel die Order erteilt, vor der Rückkehr einen neutralen schottischen Hafen anzulaufen und dort Erkundigungen zur aktuellen politischen Lage zu erfahren.
Dies war auch angebracht den die dänische Blockade bestand immer noch. 


Die Bark "August" und ihre Mannschaft mussten so vier Wochen in einen Hafen auf den Shetlandinseln warten, bis die Nachricht von einem endgültigen Waffenstillstand mit Dänemark eintraf und sie eine sichere Heimreise antreten konnten.
Anders erging es der "Pauline" ihr Commandeur hatte im Eismeer von einem englischen Kapitän erfahren, dass die dänische Blockade sich nur auf die Elbe- und Wesermündung beschränkte. So steuerte er sein Schiff zur Emsmündung und erreichte sicher den Hafen von Emden. Dort wurde der Fang auf einen Leichter umgeschlagen und durch das Küstenrevier bis nach Hause gebracht. 

Von einem im Eismeer verunglückten englischen Grönlandfahrer übernahm die "August" sechs Schiffbrüchige als auch eine Anzahl von Ausrüstungsgegenständen. Nach seiner Rückkehr setzte sich der Commandeur Heinrich von Buttel mit dem englischen Konsul Köppen in Brake in Verbindung um sich über diese Gegenstände zu einigen. Man beschloss die Gegenstände in Brake öffentlich zu versteigern. Der Erlös sollte zu je einem Drittel an den Eigentümer des verunglückten Schiffes, der Mannschaft der "August" und der "Stedinger Compagnie" gehen.

Ein neuer Commandeur (1850):

Bereits im Jahre 1849 begann die Stedinger Compagnie Reeder per Zeitungs-Annonce einen neuen Kapitän für die August zu suchten.

Weser-Zeitung. 29. Oktober 1849
Gesucht

Ein tüchtiger Capitain (Commandeur) für das Barkschiff »August«, groß ca. 180 Rockenlasten, zum Grönländischen Wallfischfange. Reflectirende wollen sich unter Nachweisung ihrer Tüchtigkeit baldigst melden bei der Direction der Stedinger Compagnie F. C. von Buttel Dreisielen bei Berne im Oldenburgischen, den 22. October 1849. 

Im Jahre 1850 legte Kapitän Heinrich von Buttel dann das Kommando der Bark "August" nieder, um zukünftig ein Handelsschiff zuführen.
Sein Nachfolger wird ein erprobter Grönlandfahrer Commandeur W. Gerdes aus Brake-Klippkanne, der bisher das Braker Grönlandfahrerschliff "Azaria" kommandierte, welches nun außer Dienst gestellt wurde.

Die erste Eisfahrt unter dem neuen Kommando verlief leider glücklos. Erst war die Bark "August" zwei Wochen im Packeis eingeschlossen und als man dann unter unendlichen Mühen freikam und mit dem Fang beginnen wollte, brachen auf dem Schiff die Blattern aus. Die halbe Mannschaft lagen darauf lebensgefährlich erkrankt in ihren Kojen. So kehrte die Bark nach Stedingen mit einem bescheidenen Fang von vier Walen und 825 Robben zurück.

   Anm.: 
Was für ein Pech denn 1850 muss ein außergewöhnliches Jahr gewesen sein, so berichtet der Lesumer Pastor Hoops von einem Bremer-Schiff, dass 1850 nach nur drei Monaten Robbenjagd, stattliche 11.000 Robben mitbrachte.

Es wird auch von einem Streit zwischen den Stedinger und Bremer Grönlandfahrern berichtet, beide erhoben Anspruch auf einen erlegten Wal.
Einen harpunierten Wal wird im allgemeinen durch eine Fahne im seinen Rücken markiert und damit der Besitzanspruch auf die Jagdbeute erhoben. Noch bevor der Wal eine Fahne trug kam es zum Streit zwischen den Stedinger und Bremer Grönlandfahrern. Ein nachfolgender Gerichtsprozess entschied dann den Anspruch zugunsten der "Stedinger Compagnie".

Ein ruhiges Jahr 1851:

Dieses Jahr verlief ruhig und erfolgreich. Die "Stedinger Compagnie" erzielte einen Überschuss von 8.000 Rthl. und konnte eine Dividende von 25 Prozent an die Aktionäre auszahlen.

Ein bemerkenswerter Fangerfolg im Jahre 1852:

Die Mannschaft "Pauline" konnte in diesem Jahr eine große Herde von 750 Klappmützenrobben erjagen.
Anm.: Klappmützenrobben (Cystophora cristata) verdanken ihren Namen einem aufblasbaren rötlichen Sack, welcher sich bei den männlichen Tieren zwischen Stirn und Nase auf sogenannten Nasenrücken befindet. Dieser kann als Imponiergehabe wie ein Luftballon zu einem mützenförmigen Gebilde aufgeblasen werden. Klappmützen sind große, massige Tiere, Männchen können eine Länge von zweieinhalb Metern und ein Gewicht bis zu 400 kg erreichen können. Weibchen erreichen ca. 2 m Körperlänge und wiegen ca. 160 kg. Die Neugeborenen werden "bluebacks" genannt, da ihr Fell bläulich schimmert.

Auch liefert diese sehr großen Robbenart bedeutend mehr Tran als gewöhnliche Robben. Die "Stedinger Compagnie hoffte auch auf einen besseren Preis für diese Felle, da sie für die Pelzindustrie von besonderer Qualität sind.

Der Fellmarkt wurde durch einen Bremer Makler beherrscht, der als Monopolist die Preise bestimmen konnte. Bis dato hatte dieser alle Felle der "Stedinger Compagnie" zu seinen Preisvorgaben aufgekauft. Als dieser Händler jedoch für die wertvolleren Klappmützenfelle kein besseren Preis zahlen wollte beschloss der Direktor F.C. von Buttel sich von dem Bremer Makler unabhängig zu machen.


Klappmützenrobben

1853 innerhalb der Compagnie kommt es zur Vertrauenskrise:

Im Prinzip war es ein sehr erfolgreiches Jahr (Fangerlös) 36.605 Rthl. , den Aktionären konnte die bisher höchste Dividende von 65 Prozent ausgeschüttet werden. 

Direktor F.C. von Buttel verkaufte dem Bremer Fellmakler nur die von der Bark "August" eingebrachten Felle. Die von "Pauline" erbeuteten Felle kaufte er auf eigene Rechnung zu dem Preis, der ihm vom Makler geboten wurde und verkaufte diese auf eigene Rechnung weiter. 
Auf den ersten Blick sah dieses nach persönlichen Gewinnstreben aus. Doch dieses handeln hatte nur den einzigen Zweck, sich von dem allgewaltigen Bremer Makler unabhängig zu machen. 
Direktor F.C. von Buttel stellte den auch den Mehrerlös, den er durch den privaten Verkauf der Felle erzielte, voll der Gesellschaft zur Verfügung. Als sich dieser eigene Handel bewährte übertrug er das Geschäft dem Sechsmännerausschuss der Compagnie. Von so viel Uneigennützigkeit und Großmut fühlten sich die Aktionäre beschämt, und sie übernahmen den Handel unter der Bedingung an, dass von Buttel die Hälfte des Mehrertrages als Vergütung gezahlt würde. 

Doch in den "Oldenburgischen Anzeigen" und in der "Weserzeitung“ wurden gegen Direktor F.C. von Buttel Vorwürfe der persönlichen Bereicherung erhoben. Um sich als Kaufmann zu rehabilitieren beantragte Direktor von Buttel beim Großherzog eine gerichtliche Untersuchung gegen sich selbst.
Der Großherzog beauftragte darauf den Amtmann in Berne, das geschäftliche Verhalten des Direktors zu überprüfen. Nach Prüfung der Geschäftsunterlagen stand es für den Amtmann völlig außer Zweifel, dass F. C. von Buttel nicht die Absicht hatte, sich persönlich zu bereichern. Es wurde ihm bescheinigt, alle Geschäfte in erlaubter Weise und nur zum Wohle der Compagnie getätigt zu haben.

 
Anm.:

 

 

Der Reeder B.H. Steenken, Weserdeich entsendet  parallel zur "Stedinger Compagnie" ein eigenes Schiff die Galiot "Johanne Catharine" ins Nordmeer.
" Knudt Martens , der jüngere Bruder von Marten K. Martens (Kapt der Brigg "Patriot", Elsfleth)  , wurde am 20.07.1809 in Süddorf (Amrum) geboren. Von 1947 bis 1854 übernimmt er das Kommando auf der Galiot "Johanne Catharine" , des Reeders B.H. Steenken und Kapt. Meinert Rabe, Weserdeich.
Jacob Lorenz Engemann (geb. 20.11.1816 auf Wyk, aufgewachsen auf Amrum) führte dann ab 1855/1865 die Galiot "Johanne Catharine" des Reeders B.H. Steenken in das Nordmeer. "

 

Die letzten Jahre der Compagnie:

Nach dem im Jahre 1855 der geschäftliche Höhepunkt erreicht wurde, folgten nun nur noch sehr bescheidene Fangergebnisse. Auch kamen die Schiffe in ihre Jahre. Durch Sturm und Eispressung gab es vermehrt Schäden und der weitere Einsatz im Eismeer stellte ein hohes Risiko dar. Die große Zeit der Stedinger Compagnie neigte sich ihrem Ende zu.

1858/59 übernimmt der Amrumer Commanduer "Jacob Lorenz Engemann" das Kommando der Bark "August". 
[1858 übernahm Kommandeur J.H. Raschen das Kommando auf der Pauline.]

In einem Sturm im Jahre 1858 erleidet die 
"Pauline" unter Kapitän Raschen den Verlust der Masten und Segel, dokumentiert ist dies im Verzeichnis der Schadensfälle der "Stedinger Assekuranz-Compagnie". 

Auf der Generalversammlung am 5. Oktober 1859 wurde der Antrag auf Auflösung der Compagnie gestellt, jedoch stimmte die Mehrheit der Aktionäre gegen den Antrag und beschloss, eine Einzahlung von 20 Prozent aufzubringen und die beiden Schiffe notdürftig zur reparieren und weiterhin in die arktischen Gewässer zuschicken. Gewinnstreben ging vor Umsicht und Verantwortung. 
Als dann im Jahre 1860 ein Fangergebnis von 3274 Robben gemeldet wurde schien es den Wagemutigen recht zu geben. Doch die Mannschaft der "Pauline" erklärte dass es unverantwortlich sei, das Segelschiff weiterhin für Eismeerfahrten einzusetzen. Die Direktion folgte dieser Einschätzung und empfahl die "Pauline" in Zukunft ausschließlich für Frachtfahrten zu verwenden.

Der Tod von F.C. von Buttel:

1860 starb nach kurzem Krankenlager der Direktor F. C. von Buttel. Einen neuen Direktor zu ernennen, erübrigte sich, denn alle sahen ein, dass nun die Zeit der "Stedinger Compagnie" vorbei war. Zwar lief noch einmal die Bark "August" in die arktischen Gewässer aus, doch mit einem Fangergebnis von nur 67 Robben und 3 Eisbären, konnte nicht einmal die vereinbarte Heuer Schiffsmannschaft bezahlt werden.

Die Auflösung der Compagnie:

[1861 übernahm Kapitän  D. Leverentz das Kommando auf der Pauline.]
Am 5. Oktober 1861 wurde in demselben Gasthof, in dem vor fast genau 19 Jahren die Gründungsversammlung stattgefunden hatte, der Beschluss gefasst, die Aktiengesellschaft aufzulösen. Die Schiffe, die Häuser am Schlüterdeich und das gesamte Inventar wurden verkauft. Der Erlös reichte aus zur Abfindung der Aktionäre. Der Überschuss wurde mit 24,2 Rthl. für die Aktie ausgezahlt.
Der Mannschaft wurden die sogenannte Partgelder ausgezahlt. Das waren Anteile an dem Erlös aus dem gewonnenen Tran. 
Ein Teil dieser Gelder war noch zu zahlen. Dazu hatte man noch eine „Armenbüchse der Stedinger Compagnie“. Als trotz mehrfacher Aufforderung niemand Anspruch auf diese Gelder erhob, überwies man sie zusammen mit anderen aus der Armenbüchse dem Kirchenrat zu Berne mit der Auflage, sie als „Beihilfe für hilfsbedürftige Seeleute" zu verwenden.

1862 wurde die Bark "August" über Hamburg nach Vorpommern (Barth bei Stralsund) verkauft. Dort wurde aus dem Walfänger ein Handelsschiff und erhielt den Namen "Merrimac". 
Acht Jahre später 1870 kaufte das preußische Kriegsministerium die "Merrimac" und versenkte es mit 20 weiteren Schiffen, im Krieg mit Frankreich, als Sperre in der Weser.

 

Das Ergebnis von 19 Jahren „Robbenschlag und Walfischfang“:
70.703   Robben 
15    Wale 
24    Eisbären
Einnahmen an: 
Tran  220.638 Rthl. 
Felle  45.100 Rthl. 
Barten 8.106 Rthl. 
============ 
zusammen: 273.844 Rthl. 
An Partengeldern wurden ausgezahlt:  49.674 Rthl. 

 

Quellen:

 

 

 

 

  • Stedingen und die Stedinger, Gerold Meiners, Verlag H. M. Hauschild GmbH . Bremen, ISBN
    3-920699-85-8 

  • Oldenburger aus den Niederwesergebieten auf Robbenschlag und Walfang, Hans Wichmann, Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde, Jahrgang 7 Heft 2/3 

  • Auf eisigem Meer harpunierten die arktischen Fischer vom Weserstrand, Bericht Klaus Schalow, NWZ 1974

  • Nieders. Staatsarchiv zu Oldenburg

  • Oldenburger Schiffahrtschronik, J.Meyer, Isensee, 3-89598-314-4

  • Fall Överall! Amrumer Grönlandfahrt, Georg Quedens, 3-924422-67-2

  • Seefahrer und Bauern im Kirchspiel Altenesch um 1800, Klaus Grotevent, Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde, Jahrgang 39 Heft 3 

  • Die arktische Fischerei wie sie von der Weser betrieben wurde.
    Vortrag von Bernhard  Ahlers, gehalten 1911 in Vegesack
    Nachdruck 1988 Heimat- und Museumsverein Vegesack

  • 2007 Warflether Kirchenblatt: De Bank up'n Diek vertellt

  • Die Geschichte der Segelschiffe von Weser und Lesum, 1790-1926
    Peter-Michael Pawlik, Ernst Kabel Verlag, Hamburg, ISBN
    3-8225-0256-1

  • Die Geschichte der Segelschiffe von Weser und Hunte; 1770-1893
    Peter-Michael Pawlik, Verlag H. M. Hauschild GmbH . Bremen, ISBN 3-89757-150-1